„Wo findet sie so viele Kunden dafür?“
Die Frage aus der letzten Ausgabe meines LinkedIn Newsletters. Karins Satz: „Ich bringe kollabierte Lieferketten in 90 Tagen auf Investoren-Niveau – ohne das Team zu verlieren“ klingt vielleicht schon zu spezifisch.
Karin. 22 Jahre Operations und Restrukturierung im Mittelstand.
Meine ehrliche Antwort: Die Frage ist falsch gestellt.
Entscheidend ist nicht WO.
Entscheidend ist: Wie findest du das Problem, auf dem dein ganzer Satz (und dein Business) steht?
Hier scheitern die meisten nicht an zu viel Spezifikation, sondern am falschen Problem.
OTIF klang spezifisch – war aber das falsche Problem
Karin hätte „OTIF verbessern“ wählen können.
Klingt spezifisch. Ist ein reales Ergebnis. Karin kann das.
Aber „OTIF verbessern“ ist ein Symptom. Es ist das, was der Geschäftsführer auf seinem Dashboard abliest.
Es ist nicht das, was ihn nachts wachhält.
Was ihn nachts wachhält: Die Lieferkette ist kollabiert. Der Investor will in 8 Wochen Ergebnisse. Er hat niemanden im Team, der den Turnaround stemmen kann – und die besten Leute sind schon gegangen.
DAS ist das Problem. OTIF ist nur die Zahl, die darauf zeigt.
Der Unterschied verändert alles
Wer auf einem Symptom aufbaut, löst Projekte. Projekte werden ausgeschrieben, verglichen, nach Tagessatz sortiert.
Wer auf dem echten Problem steht, wird gerufen. Der Entscheider spürt: Die hat das schon gesehen. Die versteht, was hier wirklich passiert.
Wie haben wir Karins Problem gefunden?
Selbstverständlich nicht durch Brainstorming oder primär durch eine Marktanalyse.
Ich habe mir angeschaut, was in Karins Einsätzen der letzten 15 Jahre immer wieder passiert ist. Das ist der Kern von ExpertID.
Was sie IMMER als Erstes erkannt hat, bevor sie irgendetwas verändert hat.
Ein Muster wurde deutlich: Karin wurde immer dann geholt, wenn es schon fast zu spät war. Wenn Strukturen kollabiert waren, nicht nur ineffizient.
Sie hat jedes Mal etwas gemacht, das ihre Kollegen nicht machen: zuerst geschaut, was NOCH trägt, bevor sie irgendetwas repariert hat.
Daraus entstand eine These: Karins Problem ist nicht „Supply Chain verbessern“. Es ist: kollabierte Lieferkette stabilisieren, wenn der Investor schon drückt.
Ist dieses Problem groß genug?
Nicht für Karin – für den Markt.
Ein perfekt formulierter Satz auf einem Problem, das in zwei Jahren gelöst ist, bringt nichts.
Reshoring-Welle, ESG-Druck auf Lieferketten, Investoren, die operative Resilienz verlangen – das sind keine Trends, die verschwinden. Das sind strukturelle Verschiebungen.
Karins Problem wird in fünf Jahren noch da sein.
DAS ist der Grund, warum der Satz funktioniert. Nicht die Spezifikation allein.
Drei Eigenschaften eines tragfähigen Problems
- Dringend – der Entscheider kann nicht warten.
- Teuer – die Konsequenz von Nichtstun ist existenziell.
- Dauerhaft – der Markt produziert dieses Problem immer wieder.
Symptome haben diese drei Eigenschaften fast nie gleichzeitig. Genau das macht den Unterschied zwischen einem Satz, der Mandate anzieht – und einem, der im Vergleich landet.
Der Blick, der dein Problem offenlegt
Wenn du gerade überlegst, worauf du dich zuspitzen sollst, dann schau nicht auf deinen Methodenkoffer.
Schau auf die Momente in deinen Projekten, in denen du etwas erkannt hast, das dein Kunde noch gar nicht gesehen hatte.
Das Muster dahinter ist dein Problem, für das du gemacht bist.
Die Methode dahinter: Das E.X.I.T.-System extrahiert genau dieses Muster aus deiner Praxis – in 4 Phasen von der Klarheit bis zur Abrufbarkeit. Expertise & Methode im Detail →
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Weitere ExpertID-Strategien
Bleib brillant.
Anna Toklu | ExpertID-Architektin für Senior-Expertinnen und Experten
P.S. Wenn du dir nicht sicher bist, ob du gerade auf einem Problem stehst oder auf einem Symptom: Schreib mir deinen aktuellen Satz. Ich sage dir, was ich in deiner Expertise sehe.